Weniger Au-pairs in Deutschland – Branche fordert bessere Rahmenbedingungen
Die aktuelle Konjunkturumfrage 2026 zeigt: Das Au-pair-Programm in
Deutschland steht weiter unter Druck. Im Jahr 2025 kamen rund 8.500
ausländische Au-pairs nach Deutschland – ein Rückgang von 15 Prozent
gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt sich ein negativer Trend seit 2023
fort, der sowohl Gastfamilien als auch Vermittlungsagenturen vor große
Herausforderungen stellt. 2019 waren noch rund 15.000 Au-pairs in
Deutschland.
Restriktive und inkonsistente Visumspolitik als zentrales Hemmnis
Ein
wesentlicher Grund für den Rückgang liegt in der restriktiven und
uneinheitlichen Visumspraxis. Während angehende Auszubildende
vergleichsweise unkompliziert ein Visum erhalten, scheitern
Au-pair-Vorhaben häufig an komplexen und intransparenten Verfahren.
Zudem zeigt sich eine zunehmende Unberechenbarkeit in den
Herkunftsländern, da die jeweiligen Botschaften plötzlich weniger oder
wieder mehr Visa ausstellen. Klassische Entsendeländer wie die
Philippinen und Indonesien spielen aktuell kaum noch eine Rolle. Aus
Ländern wie Kirgisistan, Usbekistan, Tunesien, Thailand, Mexiko und
Ruanda konnten zuletzt hingegen wieder mehr Au-pairs einreisen.
Deutschland verliert im europäischen Wettbewerb
Trotz
weiterhin hoher Nachfrage seitens deutscher Gastfamilien gelingt es
immer weniger, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu gewinnen. Im
Vergleich zu Ländern wie Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark
und Schweden schneidet Deutschland deutlich schwächer ab. Gründe dafür
sind unter anderem die hohen Anforderungen an Deutschkenntnisse sowie
die vergleichsweise niedrigen Leistungen, beispielsweise in Form von
Taschengeld und Zuschüssen für Sprachkurse. Viele junge Menschen
entscheiden sich daher bewusst für die attraktiveren Rahmenbedingungen
in anderen europäischen Ländern.
Rückgang bei Au-pair-Agenturen gefährdet Qualität des Programms
Auch
strukturell zeigt sich eine besorgniserregende Entwicklung: Die Zahl
der Full-Service-Agenturen in Deutschland ist aktuell auf 87 gesunken.
Mit dem Rückgang professioneller Vermittlungsstellen sinken zugleich die
Chancen auf einen erfolgreichen und betreuten Kulturaustausch. Fehlende
Standards und Betreuung können langfristig die Qualität und das
Vertrauen in das Programm gefährden.
Outgoing-Bereich unter Druck
Nicht nur im
Incoming-Bereich gibt es Herausforderungen. Für deutsche Au-pairs wird
das Angebot an attraktiven Zielländern immer kleiner. Die USA verlieren
weiterhin an Bedeutung – mit nur noch rund 1.800 deutschen Au-pairs hat
sich die Zahl seit 2017 halbiert. In Großbritannien stagniert das
Programm seit dem Brexit. Entsprechend bewerten 40 Prozent der
Outgoing-Agenturen ihre wirtschaftliche Lage als schwierig.
Au-pair als Chance für Integration und Fachkräftegewinnung
Dabei
bietet das Au-pair-Programm großes Potenzial: Es ermöglicht jungen
Menschen einen niedrigschwelligen Einstieg in Sprache, Kultur und
Arbeitsleben in Deutschland. Im Vergleich zur direkten
Fachkräftezuwanderung schafft es eine wichtige Orientierungs- und
Integrationsphase. Viele Au-pairs entscheiden sich im Anschluss für eine
Ausbildung, ein Studium oder einen Freiwilligendienst in Deutschland.
Branche fordert klare politische Unterstützung
Angesichts
des Fachkräftemangels ist Deutschland auf Zuwanderung angewiesen. Die
Branche sieht dringenden Handlungsbedarf: Ein klares politisches
Bekenntnis zum Au-pair-Programm sowie verbesserte Rahmenbedingungen sind
notwendig, um die Attraktivität Deutschlands als Gastland zu stärken.
Dazu gehören insbesondere eine transparentere Visumpraxis, eine Anhebung
des Taschengelds und eine Erhöhung der Zuschüsse für Sprachkurse.
Die Konjunkturumfrage 2026 basiert auf einer Onlinebefragung von 64
deutschen Au-pair-Agenturen und liefert bereits zum 20. Mal umfassende
Einblicke in die Entwicklung des Marktes. Die Studie wird von DR-WALTER
herausgegeben und erscheint im Calypso Verlag.
